Ausstellung

DER HOFMALER. Eine Hommage an Josef Karl Rädler.
Mit Kunst aus Gugging, Hüpfner, N.N., Prager, Schmid

 

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© Foto: Galerie Altnöder
Dieser Irre Zeitgenosse hier auf dem Gemälde ist eingeschlafen
Rückseite: Abendstimmung mit Bäumen und Schwalben
1913  |  Tempera/Aquarell auf Papier  |  Preis auf Anfrage
 
Ausstellungsort
Galerie Altnöder
5020 Salzburg

Dauer :  - 11.09.2010
 
 
Beschreibung :
Josef Karl Rädler

Er nannte sich "Hofmaler von Österreich, Italien und Siam", auch "lachender Philosoph", war Pazifist
und zeichnete unermüdlich. Josef Karl Rädler (1844-1917) war ein Schwieriger und ein Nachdenklicher. Und er war in der modernsten Irrenanstalt seiner Zeit untergebracht. Fünfzig Jahre nach seinem Tod wurden seine Bilder vom Müll gerettet. Die Galerie Altnöder in Salzburg, seit über 20 Jahren auch spezialisiert auf die Kunst von Außenseitern, widmet Karl Rädler ihre Festspielausstellung 2010, eine Hommage mit Kunst aus Gugging, Skulpturen von Hüpfner, Bilder und Zeichnungen von N.N., Prager und Schmid.
Josef Karl Rädler, 1844 im böhmischen Falkenau geboren, war Porzellanmaler in Wien, hatte einen eigenen Betrieb und war in hohen Kreisen sehr geschätzt. Auf Betreiben seiner Familie wurde Rädler ab 1893 in der privaten Irrenanstalt Lainz aufgenommen, dann in das Wiener Irrenhaus (Pilgerhain) eingewiesen. 1905 kam Rädler in die Anstalt nach Mauer-Öhling, wo er bis zu seinem Tod 1917 hospitalisiert war.

Hofmaler und Philosoph

Rädler war ein Einzelgänger. Er wies laut Befund von 1893 "keinerlei psychische Abnormitäten" auf, hatte aber Wesensveränderungen, die seiner Familie und seinem Umfeld in den Anstalten zu schaffen machten, da er "mürrisch, läppisch, überheblich und eigensinnig war". Dazu kam eine gewisse "geistige Abschwächung".
Rädler begann um 1897 im Wiener "Pilgerhain" aus eigenem Antrieb auf Papier zu malen und zu zeichnen. Die meisten Bilder sind auf beiden Seiten gestaltet. Typisch für Rädler sind die Kombination von figuraler Malerei und ornamental angelegten Texten, umgeben von vielen Rahmungen. Themen seiner Bilder sind die Menschen in der Anstalt und ihr Milieu, auch Tiere und Landschaften. Eine gewisse Naivität im Stil und die sorgfältige Gestaltung bis ins kleinste Detail sind wohl auf seine frühere Tätigkeit als Porzellanmaler zurückzuführen.
Neben der künstlerischen haben die Bilder auch einen medizingeschichtlichen und historischen Wert. Sie zeigen, wie ein Patient zu Beginn des letzten Jahrhunderts Anstalten sah, erlebte und dokumentierte. "Alle seine Bilder schmückt er in seiner Tendenz mit Lehrsprüchen", heißt es in der Krankengeschichte Rädlers. Rädler, der sich für einen großen Künstler hielt, legt sich den Titel eines "Hofmalers von Österreich, Italien und Siam" zu, sieht sich als "Poet", als "lachender Philosoph", "Mitreformator" und "Menschheitsapostel".

Für ein Malerauge herrlich

12 Jahre, von 1905 bis 1917, verbrachte Rädler in der "Kaiser-Franz-Joseph Landes- Heil- u. Pflegeanstalt Mauer-Öhling". Die Anstalt wurde von Carlo von Boog entworfen und gilt als das bedeutendste Jugendstilensemble in Niederösterreich. Mauer-Öhling galt damals als modernste und "eine der besten Irrenanstalten Europas". Nach der Eröffnung 1902 schrieb Kaiser Franz Joseph an Katharina Schratt:"...alles zum Besten der Narren. Es muss ein Hochgenuss sein, dort eingesperrt
zu sein."
Rädler kam das offene Konzept der Anstalt zu gute. Er hatte größtmögliche Freiheit und konnte
seine künstlerische Tätigkeit, zwar nicht geschätzt, aber frei entfalten. "Für ein Malerauge herrlich",
schrieb Rädler.

Aus dem Müll gerettet

Mitte der 60er Jahre wurden im Zuge von Renovierungsarbeiten in Mauer-Öhling an die 400 Arbeiten von Rädler auf den Müll geworfen und nur per Zufall gerettet. Das, was zu seinen Lebzeiten von den Ärzten mit Geringschätzung, als "geistlos" angesehen wurde, und man fünfzig Jahre nach seinem Tod als "Kehricht" wegwarf, gehört heute zu den aufregenden und begehrten, sehr frühen Arbeiten und Dokumenten der Kunst von Außenseitern.
Rädlers Werke wurden bisher drei Mal präsentiert. Das Niederösterreichische Landesmuseum zeigte 1994 eine Einzelausstellung. Zwei weitere Ausstellungen in London (2009) und im Wien Museum (2010) zum Thema "Kunst und Wahn in Wien um 1900" widmeten sich ausführlich seinem Werk.

Vielseitige Hommage

Die Ausstellung in der Galerie Altnöder ist als Hommage an den "Hofmaler von Österreich, Italien und Siam" gedacht. Sie zeigt neben Rädler Werke der weltbekannten Art-Brut Künstler Johann Hauser und August Walla aus Gugging. Weiters die erst jüngst entdeckten, faszinierenden und meist tragisch geprägten Ton- und Gipsskulpturen des heute achtzigjährigen Wiener Außenseiters Kurt Hüpfner.
Ernst Schmid aus Gmunden versucht in seinen Acrylbildern die Welt des Konsums mit ihren zahllosen Produkten zu ordnen.
Die geheimnisvollen Stenografien des Salzburger Künstlers N.N geben ihren Inhalt genauso wenig preis wie der Künstler seine Identität. Und Erich Prager, der sein Medizinstudium aufgeben musste, äußert seine Gesellschaftskritik über die Darstellung von Vervielfältigungen und Massen. Eine hochkarätige Gegenüberstellung der Werke von Rädler mit beachtenswerten Außenseitern. Kunst,
die aus dem innersten Kunstschaffen des Menschen kommt und die Szene wesentlich bereichert.
© Ferdinand Altnöder 
 
Öffnungszeiten :
Di-Fr 14:30-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr
Während der Festspielzeit im Sommer: Mo-Fr 10-13, 14:30-18, Sa 10-16 Uhr
 
Eintritt :
Eintritt frei
 
Service:

 
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