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Beschreibung :
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Der Chemnitzer Künstler Michael Morgner (*1942) überzeugt in seinen Werken über seine gesamte Schaffenszeit seit Ende der 1960er Jahre durch eine beeindruckende innere Konsequenz. Bei seiner Suche nach inneren Wahrheiten und Wahrhaftigkeit interessieren ihn die Grundproblematiken menschlicher Existenz wie die spannungsreichen Grundkonflikte zwischen Mann und Frau oder die konfrontativen Auseinandersetzungen zwischen Individuum und Gruppe. Dabei läuft er nicht Gefahr, ins politische oder gesellschaftskritische Plakative abzurutschen, denn er geht über das Tagespolitische hinaus, auch wenn er die geschichtliche Situation eines Lebens in der DDR mit seiner Machtwillkür und existenziellen Ohnmacht immer mitdenkt.
1977 gründen Carlfriedrich Claus, Thomas Ranft, Dagmar Ranft-Schinke, Michael Morgner und Gregor Torsten Schade die erste unabhängige Produzentengalerie der DDR, CLARA MOSCH, die bis 1982 existierte. Gezeigt wurde junge Kunst aus dem ganzen Land, regelmäßig wurden Pleinairs, Künstlertreffen und Aktionen organisiert. Karl-Marx-Stadt, das heutige Chemnitz, war ein vom offiziellen DDR-Kunstbetrieb abgelegener Wirkungskreis, in dem individuelle, avantgardistische Kunst entstehen konnte. Da Morgner elementare Erfahrungen ins Transhistorische und Überindividuelle überführt, verursachte die Wiedervereinigung daher auch keinen stilistischen Bruch.
Morgner wurde bislang vor allem als Zeichner einer symbolhaften Überhöhung menschlicher Figur und Existenz wahrgenommen. Er entwickelte seit 1978 Archetypen des modernen Menschen und seiner Lebenssituationen: die Angstfigur, Kauernde, Stürzende, Aufsteigende, den Schreitenden. In dieser retrospektiven Ausstellung seines zeichnerischen Werkes anlässlich seines 70. Geburtstages wird der Fokus erstmals auf die Natur- und Landschaftsdarstellung gelenkt. Die dialogische Einbindung der menschlichen Figur in die Landschaft wie auch die reine, abstrahierte Naturdarstellung sind bei ihm nicht romantisch verklärt, sondern ebenfalls, wie in den figürlichen Darstellungen, existenzielle und verinnerlichte Reduktionen. Landschaft ist für Morgner vornehmlich Raum für den Menschen. Erst in den Winterlandschaften, die in den 1980er Jahren in serieller, zyklischer Arbeitsweise entstehen, verzichtet er gänzlich auf Spuren des Menschlichen in der Natur und entwickelt in ihnen Kraftfelder von Trauer und Neubeginn. Erstmalig wird in der Ausstellung der Zyklus der Winterlandschaften gezeigt.
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